Dieser Artikel erklärt, welche Kosten, Steuern und Abzüge beim Immobilienverkauf auf Gran Canaria wirklich anfallen – inklusive realistischem Rechenbeispiel für einen Verkaufspreis von 350.000 €.
Viele Eigentümer stellen mir zu Beginn eine ganz normale Frage:
„Was kann ich für meine Immobilie bekommen?“
Die wichtigere Frage kommt oft erst später – manchmal leider zu spät:
„Und was bleibt mir am Ende wirklich übrig?“
Denn zwischen dem Verkaufspreis auf dem Papier
und dem Betrag, der tatsächlich auf deinem Konto ankommt,
liegen Kosten, die viele unterschätzen oder gar nicht einkalkulieren.
Dieser Artikel soll genau das verhindern.
Keine Überraschungen.
Keine falschen Erwartungen.
Nur Klarheit.
Der häufigste Denkfehler: Brutto statt Netto
Viele rechnen so:
„Ich verkaufe für 350.000 €, also bekomme ich 350.000 €.“
So funktioniert ein Immobilienverkauf leider nicht.
Entscheidend ist nicht der Verkaufspreis,
sondern der Nettoerlös nach Abzug aller Kosten und Steuern.
Und genau diese schauen wir uns jetzt Schritt für Schritt an
1. Maklerprovision – sichtbar, aber oft falsch bewertet
Auf Gran Canaria zahlt in der Regel der Verkäufer die Maklerprovision.
Übliche Spanne:
3 % bis 6 %
zuzüglich 7 % IGIC auf die Provision
Beispiel:
5 % Provision bei einem Verkaufspreis von 350.000 €
= 17.500 €
- 7 % IGIC auf diese Provision = 1.225 €
Gesamtkosten Makler: 18.725 €
Wichtig ist nicht der Prozentsatz allein,
sondern ob die Vermarktung, Preisstrategie und Verhandlung
am Ende mehr Geld bringen, als sie kosten.
2. Plusvalía Municipal (kommunale Wertzuwachssteuer)
Diese Steuer wird von der Gemeinde erhoben
und basiert nicht auf dem Verkaufspreis, sondern auf:
- der Haltedauer der Immobilie
- dem Bodenwert laut Kataster
- kommunalen Koeffizienten
Je nach Fall kann sie:
- ein paar hundert Euro
- oder mehrere tausend Euro betragen
In den meisten Fällen zahlt sie der Verkäufer.
3. Gewinnsteuer – je nach steuerlichem Status
Wenn du in Spanien steuerlich ansässig bist
Dann unterliegt der Verkaufsgewinn der Einkommensteuer.
Besteuert wird nicht der Verkaufspreis,
sondern der reine Gewinn:
Verkaufspreis
minus Kaufpreis
minus nachweisbare Kosten (Notar, Register, Renovierungen, Verkaufskosten).
Die Steuersätze liegen – vereinfacht – zwischen:
19 % und 28 %, je nach Höhe des Gewinns.
Wenn du kein Steuerresident in Spanien bist
Sehr relevant auf den Kanaren.
In diesem Fall:
- behält der Käufer 3 % des Verkaufspreises ein
- und führt diesen Betrag an das spanische Finanzamt ab
Das ist eine Vorauszahlung, keine endgültige Steuer.
Danach wird abgerechnet:
- zu viel gezahlt → Rückerstattung
- zu wenig gezahlt → Nachzahlung
Der Steuersatz auf den tatsächlichen Gewinn liegt häufig bei 19 %
(für EU-/EWR-Residenten).
4. Löschung einer Hypothek (falls vorhanden)
Besteht noch eine Hypothek, muss sie:
- finanziell abgelöst
- und im Grundbuch gelöscht werden
Typischer Kostenrahmen:
ca. 300 € bis 1.500 €
5. Pflichtunterlagen und kleinere Nebenkosten
Dazu gehören unter anderem:
- Energieausweis
- aktuelle Grundbuchauszüge
- Bescheinigungen der Eigentümergemeinschaft
Meist keine großen Beträge,
aber Teil der Gesamtrechnung.
6. Die oft vergessenen „unsichtbaren“ Kosten
Zum Beispiel:
- anteilige Grundsteuer (IBI)
- Gemeinschaftskosten
- offene Umlagen
- Abrechnung von Strom und Wasser
Sie entscheiden nicht über den Verkauf,
aber über den Nettoerlös.
Konkreter Rechen-Case: Verkauf für 350.000 €
Nehmen wir ein realistisches Beispiel, wie es auf Gran Canaria häufig vorkommt.
Ausgangslage:
- Verkaufspreis: 350.000 €
- Maklerprovision: 5 % + IGIC
- Hypothek vorhanden
- Keine Sonderfälle
Maklerkosten
5 % von 350.000 € = 17.500 €
IGIC (7 %) = 1.225 €
Gesamt: 18.725 €
Gewinnsteuer – Beispielannahme
- Kaufpreis damals: 230.000 €
- Abzugsfähige Kosten: 20.000 €
- Steuerlicher Gewinn: 100.000 €
Steuerresident (Ø 23 %):
→ ca. 23.000 €
Nicht-Resident (19 %):
→ ca. 19.000 €
(3 % Einbehalt = 10.500 €, Rest später)
Hypothekenlöschung
→ ca. 800 €
Unterlagen & Nebenkosten
→ ca. 300 €
Was bleibt netto übrig?
Beispiel Steuerresident:
Verkaufspreis: 350.000 €
Gesamtkosten & Steuern: ca. 45.325 €
Nettoerlös: ca. 304.675 €
Beispiel Nicht-Resident:
Gesamtkosten & Steuern: ca. 41.325 €
Nettoerlös: ca. 308.675 €
(alle Zahlen zur Orientierung)
Was dieses Beispiel zeigt
- Der Unterschied zwischen Verkaufspreis und Nettoerlös ist real
- Die Gewinnsteuer ist oft der größte Unsicherheitsfaktor
- Wer nur mit dem Angebotspreis plant, plant falsch
- Gute Vorbereitung spart oft mehr Geld als jede Nachverhandlung
Meine klare Empfehlung
Bevor du deine Immobilie verkaufst:
- Lass dir den Nettoerlös realistisch berechnen
- Lege den Verkaufspreis danach fest
- Entscheide mit Zahlen – nicht mit Hoffnung
Ein guter Verkauf fühlt sich nicht spektakulär an.
Er fühlt sich stimmig an.
Und genau darum geht es.